Wiedertäufer

Bernhard Rothmann

1495 in Stadtlohn geboren, erhält er seine Ausbildung zum Priester in Deventer und Münster. Er erhält Pfründe in der Gemeinde St. Mauritz. Während seiner weiteren Ausbildung u.a. in Köln lernt er reformatorischen Gedanken kennen (wie etwa die radikale Berufung auf die Heilige Schrift und die Rechtfertigung allein durch die Gnade Gottes).

Ein Teil der Kaufmannschaft und der Gilden Münsters sympathisiert mit den emanzipatorischen Bestrebungen reformatorischer Glaubensrichtungen, die durch Martin Luther weite Verbreitung fanden. Es ist bald weithin bekannt, dass in Münster Reformatoren willkommen sind und viele, in anderen Fürstentümern Verfolgte, zieht es in die Fürstbischöfliche Stadt. Rothmann erfährt eine breite Unterstützung. Da er mit einem großen Maß an Enthusiasmus zu predigen weiß, zieht er die Menschen in seinen Bann.

Kaufmannschaft und Gilden finanzieren B. Rothmann eine Reise nach Marburg und Wittenberg, wo er auch mit Melanchthon und Bugenhagen in Kontakt tritt. Er lernt in Straßburg Capito und Schwenckfeld kennen, von denen seine theologische Einstellung maßgeblich geprägt sind. Ab dem Frühjahr 1531 wächst Rothmanns Publikum bei seinen Predigten in Münster, in denen er während der Eucharistiefeier „normales“ Brot, die Stuten, bricht. Er erhält den Namen „Stutenbernd“.  Predigtverbote missachtet Rothmann und soll im Januar 1532 auf Veranlassung des Bischofs, dessen Hauptsitz in Köln ist, ausgewiesen werden. Auch diesem Beschluss trotz Rothmann und läßt sich im Krämeramtshaus, einen Steinwurf vom Dom entfernt nieder.

Spätestens im August 1532 setzen sich die protestantischen Bestrebungen innerhalb der Bürgerschaft Münsters durch und alle Pfarrstellen werden mit evangelischen Predigern besetzt (z.B. mit Bernhard Krechting, dem Bruder Hinrich Krechtings). Eine Radikalisierung tritt ein, die im Bildersturm gipfelt.  wurden rigoros Altäre und Heiligenbilder zerstör. Rothmann fungiert als Superintendent bei der Zerstörung von Altären und Heiligenbildern.  Er verfasst eine Kirchenordnung. Gegen die darin enthaltene Sakramentenlehre erhoben u.a. Luther und Melanchthon Einwände.

Im Sommer 1533 verbringt Jan Bockelson (der spätere König von Münster) erstmals einige Monate in Münster und lernt anschließend den Gografen Hinrich Krechting in Schöppingen kennen.


Am 07. und 08.August 1533 findet in Münster ein Religionsgespräch statt, bei dem Rothmann sich der Kritik an seinen Schriften stellt. Seither wendet er sich verstärkt der Glaubensrichtung der Melchioriten zu. Seine Radikalisierung gipfelte in seinem am 22. Oktober 1533 herausgegebenen Bekenntnis der Täufer. Jetzt erteilt ihm der Magistrat ein Predigtverbot und beschlagnahmte seine Druckerpresse. Es kommt zu blutigen Auseinandersetzungen der Anhänger der Täuferbewegung mit Angehörigen des Magistrats. Die Täufer gewinnen mit der Unterstützung der Bürgerschaft die Oberhand. Am 05. Januar 1534 lassen sich Rothmann und einige Getreue von Jan van Leiden (Jan Bockelson) taufen, der als Sendbote des Oberhauptes der Melchioriten (Jan Matthys) nach Münster gekommen ist. Im ganzen Land wird Münster als das heilbringende „Neue Jerusalem“ ausgerufen. Die Menschen strömen in die Stadt.

Am 23. Januar kündigt Bischof Franz v. Waldeck die Verhaftung Rothmanns an und bereitet die Belagerung der Stadt Münster vor.

Reformatoren und Wiedertäufer erreichen die Stadt und bereiten sich auf die Belagerung durch den Fürstbischof vor. Als Matthys zu Ostern bei einem Ausbruchsversuch ums Leben kommt, lässt sich Jan van Leiden zum König ausrufen. Rothmann wird zum „Worthalter“,  dem Chronist, des Königs ernannt.

Am 25. Juni 1535 nehmen die fürstbischöflichen Truppen die Stadt ein. Eines der letzten Widerstandsnester ist eine Wagenburg auf der Rotenburg. Nach Verhandlungen wird den Eingeschlossenen (Hinrich Krechting ist unter ihnen) freies Geleit zugesichert. Die Stadt ist erobert.

Von Bernhard Rothmann findet man keine Spur. Weder unter den Toten, noch unter den Überlebenden.

Der selbsternannte Wiedertäuferkönig Jan van Leiden, Knipperdolling und Bernd Krechting hatten in ihren Prozessen Gelegenheit erhalten, zu widerrufen und abzuschwören. Nachdem sie das nicht taten erging das Urteil: Mit glühenden Zangen soll man sie brennen und dann erdolchen. Ihre Körper sollen zur ewigen Abschreckung am Turm der Lambertikirche hängen.

Die Hinrichtung wird schließlich am 22. Januar 1536 auf dem Prinzipalmarkt öffentlich vollstreckt.

Nach Bernhard Rothmann wird noch lange gesucht, doch er bleibt verschwunden. Immer wieder tauchen Gerüchte auf, er sei gesehen worden. Es werden sogar fälschlicherweise Verhaftungen vorgenommen.  Rothmann scheint untergetaucht…

Bernhard Rothmann, Kaplan, Prediger, Wiedertäufer, "Worthalter" des Königs von Münster